inGemeinschaft: Wie ein Münchner Startup gemeinschaftliches Wohnen neu denkt

Der Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten bleibt angespannt, gleichzeitig leben immer mehr Menschen allein in großen Wohnungen. Genau hier setzt das Münchner Startup inGemeinschaft an: Die Plattform bringt ältere Menschen mit freiem Wohnraum und junge Menschen mit Wohnbedarf zusammen – und schafft daraus mehr als nur ein Mietverhältnis: ein gemeinschaftliches Zuhause.

Für ihre Idee wurde inGemeinschaft 2025 mit dem Gründerpreis der Stadtsparkasse München ausgezeichnet. Die Stadtsparkasse München und BayStartUP mit seinem Netzwerk haben inGemeinschaft dabei begleitet.

Im Interview sprechen Gründerin Anne Hufnagel, Stefan Schindler, Leiter des Startup-Centers der Stadtsparkasse München, und Markus Krempl, Abteilungsleiter Unternehmenskunden, über die Entstehung des Startups, den Gründerpreis und die Zukunft des Wohnens.

„Die Idee kommt aus einem echten Alltagsproblem“

Anne Hufnagel (inGemeinschaft):

Die Ursprungsidee kommt aus dem direkten Umfeld unseres Mitgründers Philipp. Seine Eltern haben schon immer Zimmer im eigenen Haus vermietet. Als die Kinder ausgezogen waren, blieb viel Raum – und gleichzeitig fehlte Leben im Haus. Irgendwann kam die Frage: Warum gibt es das eigentlich nicht viel häufiger?

Aus dieser Beobachtung entstand eine Mission: Wohnraum effizienter nutzen und gleichzeitig soziale Isolation im Alter reduzieren – durch generationenverbindendes Wohnen.

Heute bringt inGemeinschaft ältere Menschen, die ein Zimmer frei haben, mit jungen Menschen zusammen, die dringend Wohnraum suchen. Das Matching erfolgt strukturiert, begleitet und mit klaren Sicherheitsmechanismen.

Vertrauen als größte Herausforderung

Der Weg von der Idee zur skalierbaren Plattform war jedoch alles andere als geradlinig. „Die größte Hürde war und ist bis heute Vertrauen“, erzählt Hufnagel. Denn anders als klassische Wohnplattformen vermittelt inGemeinschaft nicht nur Räume, sondern Lebensgemeinschaften. Das erfordert Gespräche, Zeit und persönliche Begleitung auf beiden Seiten.

Auch intern musste das Startup wichtige Lernprozesse durchlaufen:

  • Positionierung schärfen
  • Teamstrukturen stabilisieren
  • Geschäftsmodell klarer definieren
  • rechtliche Rahmenbedingungen sauber aufsetzen

„Wirkung im Wohnbereich entsteht nicht in Quartalen, sondern in Jahren“, so Hufnagel. „Diese Geschwindigkeit auszuhalten, gehört zu den größten Herausforderungen.“

„Startups sind entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit“

Für die Stadtsparkasse München ist die Förderung von Startups mehr als ein Programmpunkt – es ist ein Auftrag. „Unser Wahlspruch lautet: Wir lieben Startups,“ erklärt Stefan Schindler. Der Grund ist klar: Startups treiben Innovation, schaffen neue Arbeitsplätze und prägen langfristig ganze Branchen.

„Manche Startups von heute sind die großen Unternehmen von morgen“, so Schindler. „Und wir erleben Gründerinnen und Gründer, die mit unglaublicher Energie an ihren Ideen arbeiten – das ist sehr inspirierend.“

Anne Hufnagel, Co-Founder inGemeinschaft

Wie das Startup-Center konkret unterstützt

Das Startup-Center der Stadtsparkasse München begleitet junge Unternehmen weit über klassische Finanzierungsfragen hinaus. „Wir wollen auf Augenhöhe arbeiten“, so Schindler.

Das zeigt sich unter anderem durch:

  • Zugang zu Netzwerken (z.B. Hochschulen, Förderstellen, Investoren, Werk1)
  • Veranstaltungen wie Female Founder Events oder Deep Dive Formate
  • Unterstützung bei möglicher Finanzierung (öffentliche Fördermittel)
  • enge Begleitung in der Frühphase

„Wir verstehen uns als Teil des Ökosystems Gründerszene in München“, so Schindler.

Der Gründerpreis als Wendepunkt

Für inGemeinschaft war der Gewinn des Münchner Gründerpreises ein entscheidender Meilenstein.

Anne Hufnagel:

Der Preis war für uns eine enorme Bestätigung – fachlich, emotional und strategisch. Besonders wichtig: Die öffentliche Wahrnehmung. Durch Medienberichte, Podcast-Auftritte und Veranstaltungen wurde das Startup deutlich sichtbarer – auch für Kommunen, Investoren und potenzielle Partner. Der Gründerpreis hat uns in eine neue Liga der Wahrnehmung gebracht. Und er hat Türen geöffnet, die vorher noch verschlossen waren.

Stefan Schindler, Leiter des Startup-Centers der Stadtsparkasse München

„Startups brauchen mehr als Kapital – sie brauchen ein Ökosystem“

Auch aus Sicht der Stadtsparkasse München ist die Einbettung in ein funktionierendes Netzwerk entscheidend.

Markus Krempl (Unternehmenskunden Stadtsparkasse München):

München ist ein Top-Wirtschaftsstandort – aber er bleibt nur stark, wenn wir kontinuierlich neue Unternehmen hervorbringen.

Startups seien dabei nicht nur zukünftige Arbeitgeber, sondern auch wichtige Impulsgeber für bestehende Unternehmen. „Man kann enorm viel von ihnen lernen“, so Krempl.

München als idealer Startup-Standort – mit einer offenen Baustelle

Die Voraussetzungen in München bewertet Krempl positiv:

  • starke Hochschullandschaft (TUM u. a.)
  • hohe Gründungsdichte
  • gute Infrastruktur
  • wachsende Sichtbarkeit der Szene

Eine Herausforderung bleibt jedoch die Finanzierung: „Wir brauchen mehr Risikokapital aus Deutschland, um größere Wachstumsphasen lokal begleiten zu können“, so Krempl.

Markus Krempl, Abteilungsleiter Unternehmenskunden der Stadtsparkasse München

BayStartUP als verbindendes Element im Ökosystem

Neben der Stadtsparkasse München spielt auch BayStartUP eine wichtige Rolle im Netzwerk. Für inGemeinschaft war die Einbindung über Programme und Coaching ein wichtiger Baustein in der frühen Entwicklung – insbesondere im Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern sowie im Zugang zu Investoren.

Mehr als eine Plattform: ein neues Wohnmodell

Heute versteht sich inGemeinschaft längst nicht mehr nur als Vermittlungsplattform, sondern als Infrastruktur für eine gesellschaftliche Veränderung. Die Plattform verbindet:

  • ältere Menschen mit Wohnraum
  • junge Menschen mit Wohnbedarf
  • Kommunen und Wohnungswirtschaft als Partner

Das Ziel ist klar: Wohnraum effizienter nutzen und soziale Isolation reduzieren.

Blick nach vorn: Skalierung eines gesellschaftlichen Modells

In den kommenden Jahren will inGemeinschaft deutlich wachsen:

  • Ausbau in weiteren deutschen Städten
  • stärkere Zusammenarbeit mit Kommunen und Wohnungsunternehmen
  • technologische Weiterentwicklung der Plattform
  • Ausbau der B2B- und B2G-Modelle

Fazit: Wenn Innovation auf gesellschaftliche Wirkung trifft

Das Beispiel inGemeinschaft zeigt, wie Startups weit über technologische Innovation hinaus Wirkung entfalten können – insbesondere dann, wenn sie in einem starken Ökosystem eingebettet sind. Für die Stadtsparkasse München ist genau das der Kern ihrer Startup-Förderung: aktive Begleitung, Netzwerk und Sichtbarkeit.

Oder wie es Stefan Schindler zusammenfasst: „Wir feiern es, wenn aus Ideen Unternehmen werden, die wirklich etwas verändern.“

Bilder: Stadtsparkasse München

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