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Energiewende dank flüssiger Luft

6-stellige Finanzierungsrunde für Tech-Startup phelas 

phelas sichert sich eine Pre-Seed-Finanzierung über 600.000 Euro sowie Fördergelder für die Entwicklung ihres Energiespeichersystems mit einer neuen Technologie zur Luftverflüssigung. Die Investoren kommen unter anderem aus dem Investorennetzwerk von BayStartUP und bringen ihre Erfahrung als Business Angels und Unternehmer in die Partnerschaft ein.

Deutschlands Strom kommt zunehmend aus Erneuerbaren Energien. Die Speicherung von Wind- und Sonnenenergie bleibt dabei eine der größten Herausforderungen. Mit ihrem neuartigen elektrischen Großspeichersystem „Aurora“ will das Startup phelas aus München genau dieses Problem lösen und der Energiewende zum Durchbruch verhelfen. Das sechsköpfige Gründerteam konnte sich dafür jetzt eine Pre-Seed-Finanzierung von 600.000 Euro sowie Fördergelder sichern. Zu den Investoren gehören erfahrene Business Angels aus dem BayStartUP Investorennetzwerk, die selbst als Gründer und Unternehmer erfolgreich sind. Auch über das Venture Forum Neckar kamen Kontakte zu Kapitalgebern zustande. Grundlage der Lösung ist eine eigens entwickelte Technologie zur Luftverflüssigung. Sie ermöglicht die künftige Nutzung von Solar- und Windstrom auch dann, wenn die Sonne nicht scheint, der Wind nicht weht und zudem keine Atom- oder fossilen Kraftwerke zur Verfügung stehen. Mit dem eingesammelten Kapital will das Gründerteam nun die Technologie weiterentwickeln, den Bau des Proof-of-Concept vorantreiben und erste Kunden als Partner gewinnen.

Thomas Bodmer, Investor aus dem BayStartUP Investorennetzwerk

Die internationalen Wachstumsaussichten für das Energiespeichersystem von phelas sind phänomenal. Bloomberg NEF prognostiziert im Zuge der Dekarbonisierung des Energiesektors einen 537-Milliarden-Euro-Markt für stationäre Energiespeicher bis 2040.

Herausforderungen in der Stromversorgung

Damit Erneuerbare Energien einen hohen Anteil an der Stromversorgung erreichen, müssen wirtschaftliche Energiespeicher verfügbar sein. Das ist derzeit nicht in ausreichendem Maß der Fall: Allein 2019 wurden 6.482 Gigawattstunden Strom aus Erneuerbaren Energien abgeregelt. Das heißt, die eigentlich zur Verfügung stehende Energie konnte aufgrund fehlender Speicher nicht genutzt werden. Dazu kamen Kosten für Entschädigungen der Netzbetreiber an die Betreiber Erneuerbarer Energien für entgangenen Einnahmen von zu 709 Mio. Euro sowie Kosten für fossile Kraftwerke, die auf Reserve gehalten werden (Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2019).

Justin Scholz, Co-Founder von phelas:

Die Energiewende ist in vollem Gang. Unser Ziel ist es, sie weltweit zum Selbstläufer zu machen. Das wird nur gelingen, wenn Erneuerbare Energien sowohl zur ökonomischsten als auch zur zuverlässigsten Versorgungsmöglichkeit werden. Dafür wird es immer wichtiger, große Mengen von Energie günstig und nachhaltig speichern zu können. Unsere Energiespeichertechnologie kann dafür einen wichtigen Beitrag leisten.

Innovative Technologie für mehr Speicherkapazität

phelas verwendet Umgebungsluft als Speichermedium. Diese wird verflüssigt und die Energie dabei gespeichert. Dazu verdichtet ein Kompressor im ersten Schritt die Luft. Dabei entsteht Wärme, die in einem speziellen Speicher für den Rückverstromungsprozess vorgehalten wird. Im flüssigen Zustand kann die Luft bis zu mehrere Wochen gespeichert werden. Wird der Strom dann gebraucht, wird die Luft erwärmt und verdampft. Hierfür wird ihr Wärme aus dem internen Wärmespeicher zugeführt. Bei der Verdampfung der Luft schließlich entsteht ein starker Druck, der eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt. Die bei der Verdampfung entstehende Kälte wird zudem in einem eigenen Kältespeicher eingespeist und kann dann für den nächsten Einspeicherungszyklus zur Verflüssigung der Luft genutzt werden . 

Das Aurora-Energiespeichersystem verwendet Luft und Kies als Hauptspeichermedium – beide Stoffe sind universell verfügbar und weniger gefährlich als Lithium-Ionen. Die Technologie bietet dadurch einen entscheidenden Kostenvorteil bei großen zu speichernden Energiemengen, gleichzeitig hohe Zyklenfestigkeit und eine hervorragende Umweltverträglichkeit. Da der Speicher auf bereits entwickelter und erprobten Technologien wie Kompressoren, Kryotanks und Turbinentechnik basiert, kann das gesamte System sehr zuverlässig und wartungsarm betrieben werden. Das angestrebte Stromspeichersystem besteht aus mindestens einem Leistungsmodul mit einer elektrischen Lade- bzw. Entladekapazität von 1,5 bzw. 1,2 Megawatt sowie mindestens einem Speichermodul mit einer elektrischen Speicherkapazität von 2 Megawattstunden. Beide Module werden bisher z.B. in Standard-Schiffscontainern verbaut, um eine hohe Modularität und Transportabilität zu gewährleisten.

Leon Haupt, Co-Founder von phelas: 

Die Stromentstehungskosten von Erneuerbaren Energien fallen aktuell unter 1 EURct/kWh. Somit liegt in Zukunft die Herausforderung mehr in der kostengünstigen Bereitstellung von Energie als in deren effizienten Speicherung. Das Design unserer Lösung ermöglicht besonders kostengünstige Energiespeicherprojekte unter 200 EUR/kWh, bezogen auf die Gesamtprojektkosten inkl. Installation vor Ort mit einer Entladedauer von über 4h. Es ist damit bereits in der frühen Produktionsphase konkurrenzfähig mit den heute verfügbaren Technologien der Lithium-Ionen- und Vanadium Redox-Flow Batterien.

Interdisziplinäres Gründerteam

Das Gründerteam von phelas ist interdisziplinär aufgestellt. Um die Unternehmensentwicklung, Finanzierung und das Recruiting kümmern sich der Startup-erfahrene Materialwissenschaftler und Software-Spezialist Justin Scholz und der ehemalige Unternehmensberater Christopher Knoch. Der studierte Energieingenieur Leon Haupt ist auf Energiespeicher spezialisiert und treibt die technisch-wirtschaftliche Modellierung sowie den Kundenkontakt voran. Die Technologieentwicklung verantworten der ex-ESA/NASA-Projektwissenschaftler Dr. Masoud Ghods mit seiner Expertise bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz zusammen mit dem Physiker Dr. Pit Sippel. Florian Kaufmann, der im Bereich Verfahrenstechnik promoviert, unterstützt durch sein Wissen in Prozesssimulation die Entwicklung der Pilotanlage.

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