Viele der spannendsten Startup-Ideen entstehen derzeit in Branchen, die besonders stark unter Veränderungsdruck stehen – etwa im Bauwesen, im Gesundheitssektor, in der industriellen Fertigung oder in der Automatisierung. Genau diese Entwicklung spiegelt die zweite Phase des Münchener Businessplan Wettbewerbs 2026 wider.
BayStartUP prämiert fünf Teams, die technologische Lösungen für konkrete Herausforderungen entwickeln: von nachhaltigerem und langlebigerem Betonbau über digitale Kindersicherheit bis hin zu Trainingsdaten für intelligente Robotiksysteme.
Der Wettbewerb ist Teil des bayernweiten Engagements von BayStartUP, Gründerteams strukturiert von der ersten Idee bis zur Skalierung zu begleiten. Für seine individuelle Unterstützung und das starke Netzwerk aus Investorinnen und Investoren wurde BayStartUP von der Financial Times als einer der drei führenden Startup-Hubs Europas ausgezeichnet.
Die Gewinner der Phase 2 im Überblick
1. Platz: Soul of Concrete aus Nördlingen
Soul of Concrete entwickelt ein automatisiert produzierbares 3D-Faser-Bewehrungssystem für den Betonbau. Ziel ist es, klassischen korrosionsanfälligen Bewehrungsstahl zu ersetzen und gleichzeitig Bauprozesse industrieller, schneller und ressourcenschonender zu machen.
Die Technologie adressiert mehrere Herausforderungen der Bauwirtschaft gleichzeitig: steigende Baukosten, Fachkräftemangel, langsame Baustellenprozesse und hohe CO₂-Emissionen. Durch die korrosionsfreie Faserstruktur sollen Bauwerke langlebiger werden und deutlich weniger Wartung benötigen. Gleichzeitig wird der bislang stark manuelle Bewehrungsprozess industrialisiert. Laut Team können Baukosten um bis zu 40 Prozent und CO₂-Emissionen um bis zu 80 Prozent reduziert werden.
2. Platz: helmit aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn bei München
helmit entwickelt eine KI-gestützte Software zum Schutz von Kindern und Jugendlichen auf Social Media. Die Lösung analysiert Inhalte in Text, Bild, Audio und Video auf Risiken wie Cybermobbing, Grooming oder problematische Kommunikation und warnt Eltern bei akuten Gefahren in Echtzeit.
Technologisch verfolgt helmit bewusst einen datenschutzorientierten Ansatz: Die Analyse läuft lokal auf dem Gerät, persönliche Daten verlassen das System nicht. Damit reagiert das Team auf ein wachsendes Spannungsfeld zwischen digitaler Sicherheit und Privatsphäre. Neben dem Schutzgedanken will helmit auch die Medienkompetenz innerhalb von Familien stärken.
3. Platz: FORMOVE aus Garching bei München
FORMOVE erfasst und verarbeitet Bewegungs- und Interaktionsdaten von Menschen, um sie für das Training unterschiedlichster Robotersysteme nutzbar zu machen. Die Technologie funktioniert herstellerunabhängig und lässt sich flexibel für verschiedene Robotertypen einsetzen. Dadurch können neue Robotiklösungen schneller entwickelt, trainiert und angepasst werden. Ziel ist der Aufbau einer leistungsfähigen europäischen Datenbasis für intelligente Robotik – und damit die Stärkung technologischer Souveränität in diesem Zukunftsfeld.
4. Platz: dehaze aus München
dehaze entwickelt KI-basierte digitale Zwillinge für die Gesundheitsversorgung. Die Technologie analysiert fragmentierte Gesundheitsdaten, darunter Freitexte und genomische Informationen, um individuelle Risikoprofile für chronische Erkrankungen zu erstellen. Dadurch sollen Krankheiten früher erkannt und Behandlungen stärker präventiv gesteuert werden. Zielgruppe sind integrierte Gesundheitsnetzwerke und Versorgungseinrichtungen, die medizinische Entscheidungen datenbasiert verbessern wollen.
5. Platz: iNSyT Solutions aus München
iNSyT Solutions entwickelt eine Plattform zur Qualitätskontrolle von Nanomaterialien. Statt nur Durchschnittswerte auszuwerten, analysiert die Technologie Tausende einzelner Nanopartikel in Echtzeit und macht Schwankungen sichtbar, die bislang häufig verborgen bleiben. Die Lösung soll Herstellern helfen, fehlerhafte Chargen früher zu erkennen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und die Produktionsqualität in Hightech-Industrien zu verbessern – etwa in Elektronik, Medizintechnik oder Materialforschung.
Weitere nominierte Startups der Phase 2:
Neben den Gewinnerteams präsentierten sich weitere innovative Startups:
- Hefex Labs (München) – automatisierte Inhouse-Leiterplattenbestückung durch KI-gestützte Prototyping-Maschine
- Deskbot.io (München) – automatisiert Anrufe und Terminmanagement für Physiotherapiepraxen
- OMEGA Space Technology (München) – Satellitendaten für Agraranalysen
- SHAPE Consulting UG (Rosenheim) - ein professionelles Management-Tool für Arztpraxen Dank einer cloudbasierten SaaS-Plattform
- SoreAlert (München) - Sensorpflaster, das Wunden verhindern lässt
- windfire (München) – Direkte Umwandlung von Windenergie in Wärme
Wettbewerb als Arbeitsphase für Geschäftsmodell und Wachstum
Der Münchener Businessplan Wettbewerb begleitet Gründungsteams über mehrere Monate hinweg bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle. Im Mittelpunkt stehen Marktvalidierung, Finanzierung, Vertrieb und Skalierungsfähigkeit. Die Teams erhalten Feedback von Unternehmern, Investoren und Branchenexperten sowie Zugang zu einem breiten Netzwerk aus Kapitalgebern und Industriepartnern.
Viele erfolgreiche Technologieunternehmen in Bayern haben ihre ersten Finanzierungsschritte im Umfeld der BayStartUP Wettbewerbe vorbereitet, darunter air up, Flix, EGYM, NaVvis oder Quantum Systems.
BayStartUP versteht den Wettbewerb dabei als Arbeitsphase für technologieorientierte Gründungen. Gerade wissenschaftsnahe Teams stehen häufig vor der Herausforderung, technologische Exzellenz in belastbare Geschäftsmodelle und skalierbare Marktstrategien zu übersetzen.