Sie erkennen chronische Gesundheitsrisiken frühzeitig, ermöglichen die Skalierung von Quantencomputern, sichern digitale Schnittstellen oder ersetzen korrodierenden Stahl im Betonbau: Acht Startups stehen im Finale des Münchener Businessplan Wettbewerbs 2026.
Die nominierten Teams dehaze, IsoSphere Technologies, Linq Photonics, Meda AI, micro factory 3DSolutions, QOODA, Soul of Concrete und Venedy entwickeln Lösungen für zentrale Herausforderungen in Medizin, Industrie, IT-Sicherheit, Mobilität und Bauwirtschaft.
Bei der Prämierung von BayStartUP und der LfA Förderbank Bayern am 29. Juli in München entscheidet sich, welche Startups die Jury mit ihrem Geschäftsmodell, ihrer Umsetzungsstrategie und ihrer Finanzplanung überzeugen.
„Die Finalteams zeigen, wie aus wissenschaftlicher Forschung, technologischer Expertise und einem klar erkannten Kundenproblem tragfähige Unternehmen entstehen können“, sagt Barbara Dombay, Geschäftsführerin von BayStartUP. „Im Wettbewerb zählt nicht allein die Innovationshöhe. Entscheidend ist, ob die Teams einen konkreten Marktbedarf adressieren und überzeugend darlegen können, wie aus ihrer Lösung ein wachstumsfähiges Unternehmen wird.“
Das sind die acht Startups im Finale:
dehaze aus München: Gesundheitsrisiken frühzeitig erkennen
dehaze nutzt KI-basierte digitale Zwillinge, um individuelle Gesundheitsrisiken sichtbar zu machen. Dafür analysiert das Startup unterschiedliche und bislang häufig fragmentierte Gesundheitsdaten, darunter medizinische Freitexte und genomische Informationen.
Die daraus entstehenden Risikoprofile sollen integrierte Gesundheitsnetzwerke dabei unterstützen, chronische Erkrankungen früher zu erkennen, Behandlungen proaktiv zu planen und Akutereignisse möglichst zu verhindern.
IsoSphere Technologies aus Garching: Isotopenverbindungen aus CO₂ herstellen
IsoSphere Technologies entwickelt ein Verfahren zur Herstellung isotopenmarkierter Verbindungen. Diese Moleküle werden unter anderem eingesetzt, um Stoffwechselprozesse sichtbar zu machen, neue Arzneimittel zu entwickeln und Krebserkrankungen bildgebend zu diagnostizieren.
Durch die Verbindung innovativer chemischer Verfahren mit CO₂ als Rohstoff will das Team eine nachhaltigere Produktion in Europa ermöglichen und zugleich die Versorgungssicherheit der Pharmaindustrie stärken.
Linq Photonics: Photonische Chips für skalierbare Quantencomputer
Das Münchener Gründerteam Linq Photonics entwickelt photonische Steuerungssysteme für Quantencomputer. Die Technologie ersetzt große und komplexe Freistrahloptiken durch kompakte, integrierte photonische Chips. Dadurch soll sich der Platzbedarf der Steuerungssysteme um bis zu 90 Prozent reduzieren. Gleichzeitig können mehr Qubits parallel gesteuert werden.
Das Team adressiert damit einen der zentralen Skalierungsengpässe der Quanteninformatik und schafft eine Grundlage für leistungsfähige Quantencomputer im industriellen Einsatz.
Meda AI aus München: Ärztliche Leistungen vollständig abrechnen
Meda AI unterstützt ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte dabei, bereits erbrachte und dokumentierte Leistungen vollständig abzurechnen. Die KI analysiert die ohnehin angefertigten medizinischen Notizen, gleicht sie mit relevanten Abrechnungssystemen ab und weist auf bislang nicht erfasste Leistungen hin. Jede vorgeschlagene Abrechnungsziffer wird mit der zugehörigen Dokumentation verknüpft und kann anschließend bestätigt werden.
Das Spin-off aus dem Umfeld der Technischen Universität München will so verhindern, dass medizinische Arbeit unbezahlt bleibt.
micro factory 3DSolutions aus München: Vollautomatisierter 3D-Druck für die Medizin
micro factory 3DSolutions automatisiert die Herstellung harzbasierter 3D-Druckteile für Dental- und weitere medizinische Anwendungen – vom Druck bis zum fertig nachbearbeiteten Bauteil.
Die Lösung reduziert manuelle Arbeitsschritte, schützt die Anwender und standardisiert die Fertigung. Besonders Dentallabore und Zahnarztpraxen sollen damit medizinische Produkte reproduzierbar, dokumentiert und skalierbar herstellen können.
OODA aus München: Navigation ohne Satellitensignal
QOODA entwickelt quantenbasierte Lösungen für Navigation und Positionierung, die unabhängig von globalen Satellitennavigationssystemen wie GPS funktionieren. Grundlage ist die hochauflösende Erfassung magnetischer Feldanomalien mithilfe von Quantensensorik, Sensorfusion und KI.
Die entstehenden Magnetfeldkarten dienen als alternative Referenz für eine präzise Lokalisierung. Anwendungsfelder sieht das Startup unter anderem in der Luftfahrt, Robotik, autonomen Systemen und weiteren sicherheitskritischen Bereichen.
Soul of Concrete aus Nördlingen in Bayerisch-Schwaben: Carbon statt Stahl im Betonbau
Soul of Concrete entwickelt eine vollautomatisiert herstellbare, dreidimensionale Bewehrung aus Carbon. Sie soll korrodierenden Stahl ersetzen und zugleich die bislang überwiegend manuelle Verlegung der Bewehrung automatisieren. Nach Angaben des Teams können geeignete Bauteile dadurch langlebiger und leichter werden. Gleichzeitig sollen sich die Baukosten um bis zu 40 Prozent, die CO₂-Emissionen um bis zu 80 Prozent und die Montagezeit auf der Baustelle deutlich reduzieren lassen.
Hinter der Lösung stehen rund 30 Jahre Carbonbeton-Forschung, mehr als 1.200 Labortests und ein erteiltes europäisches Patent. Als entscheidenden nächsten Schritt nennt das Team die bauaufsichtliche Zulassung und die Zusammenarbeit mit etablierten Industriepartnern. Durch die Wettbewerbsteilnahme habe sich das Interesse von Investoren und strategischen Partnern bereits spürbar erhöht.
Venedy aus München: KI findet Schwachstellen in digitalen Schnittstellen
Venedy entwickelt eine autonome, KI-gestützte Plattform für die Sicherheit von Programmierschnittstellen. Solche APIs verbinden Anwendungen und Systeme, zählen aber zugleich zu den am schnellsten wachsenden digitalen Angriffsflächen. Die Software analysiert die Geschäftslogik einer API und sucht kontinuierlich nach logischen Fehlern sowie komplexen Angriffsmöglichkeiten über mehrere Schnittstellen hinweg.
Neben der Erkennung soll Venedy auch Lösungsvorschläge und auditierbare Compliance-Nachweise bereitstellen.
Vom Geschäftsmodell bis zur Finanzplanung
Der Münchener Businessplan Wettbewerb richtet sich an Gründerteams und Startups in einer frühen Unternehmensphase. In drei aufeinander aufbauenden Wettbewerbsphasen entwickeln die Teilnehmenden ihre Geschäftskonzepte schrittweise weiter. Während zu Beginn die Geschäftsidee und der konkrete Kundennutzen im Mittelpunkt stehen, geht es später um Marktpotenzial, Marketing, Vertrieb, Umsetzung, Kapitalbedarf und Finanzplanung.
Die eingereichten Businesspläne werden von erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern, Branchenexperten sowie Kapitalgebern geprüft. Alle teilnehmenden Teams erhalten schriftliches Feedback – unabhängig davon, ob sie für eine Prämierung nominiert werden. Die acht Finalteams präsentieren ihre Konzepte zusätzlich vor einer Expertenjury.
Damit ist der Wettbewerb mehr als eine Auszeichnung: Er bietet den Teams einen geschützten Rahmen, um Annahmen zu überprüfen, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und sich auf Gespräche mit Kunden, Partnern und Investoren vorzubereiten.
Prämierung des Münchener Businessplan Wettbewerbs
Die Finalteams prämmiert BayStartUP mit der LfA Förderbank Bayern am 29. Juli in München.