19.06.2019

Fairer Strom – geht das?

Startups auf dem Energiemarkt setzen auf Digitales und Ökostrom


4hundred

4hundred sagt: Eines der großen Probleme am deutschen Energiemarkt ist das sogenannte „Subventionsmodell“. Dabei bekommen Neukunden von Stromanbietern günstige Preise, die für wechselunwillige Altkunden dann eher steigen. Billigtarife am Strommarkt gehen also zu Lasten treuer Bestandskunden. 4hundred macht es anders – mit einem digitalen Ansatz, der auf Kundentransparenz und Ökostrom setzt. Seit dem dritten Investment im Sommer 2018, das auch mit Unterstützung von Investoren aus dem BayStartUP-Investorennetzwerk zustande kam, ist viel passiert. Wir haben mit Ilona Ludewig, der Gründerin von 4hundred, gesprochen.

Was läuft auf dem aktuellen deutschen Strommarkt falsch?

Die Maxime „Der Kunde ist König“ zählt hierzulande nicht. Ich habe es am eigenen Leib erlebt: Im September 2017 wollte ich als Gründerin selbst zu 4hundred wechseln. Mein Voranbieter hat mich aber mit unnötigen Rückfragen so lange hingehalten, bis die Kündigungsfrist abgelaufen war und mein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert wurde. So startete meine Belieferung durch 4hundred erst im Februar 2019. Und das, obwohl ich meinem alten Anbieter bereits im September 2017 gesagt hatte, dass ich wechseln möchte. Das ist unerhört und unakzeptabel. Aber so geht es leider vielen. Kein Wunder, dass die Energiebranche so einen schlechten Ruf hat. Daher sollte es in Deutschland einen Regulator geben, der sicherstellt, dass der Wille des Kunden zählt.

Was bedeutet das deutsche Subventionsgeschäftsmodell für die Kunden?

Wir glauben, dass langfristig nur die Anbieter erfolgreich sein werden, die nachhaltig und damit im Sinne der Verbraucher denken und handeln. Die Insolvenz der Energiefirma BEV Anfang des Jahres zeigt es deutlich: Am Ende leiden die Verbraucher. Im Falle der BEV warten etwa 250.000 Kunden auf fast 80 Millionen Euro.

Für uns war von Anfang an klar, dass das im deutschen Energiemarkt übliche sogenannte Subventionsgeschäftsmodell absolut tabu ist. Dass Stammkunden die Kosten für die Lockpreise für Neukunden tragen, ist nicht nur langfristig unhaltbar, sondern schlicht moralisch untragbar.

Wenn ihr sagt "Wir bei 4hundred wollen die Energiewirtschaft zum Nutzen unserer Kunden verändern" klingt das für einige Verbraucher nach einem schönen Marketingziel. Was steckt dahinter?

Klar, wenn man so etwas über sich selbst sagt, klingt das zunächst wie ein Slogan. Ich nenne das dann “show, don’t tell” – was bedeutet: Wir müssen zeigen, dass wir es ernst meinen, und unsere Werte auch umsetzen. Wir sind noch jung – im September feiern wir unseren 2. Geburtstag – und stecken noch mittendrin, hierfür immer wieder den Beweis zu bringen.

Warum sollten Kunden zu 4hundred wechseln?

Zu uns kommen Menschen, die ein langfristig faires Angebot suchen. Dabei bieten wir nur Ökostrom an. Unser Konzept beruht zudem auf einem rein digitalen Ansatz, der beim Stromverbrauch mehr Transparenz auf Kundenseite schaffen will, und auf einem Preisversprechen. Bei 4hundred zahlt niemand mehr als die tatsächlich verbrauchte Energie zum Kostenpreis plus eine kleine monatliche Grundgebühr von acht Euro je Ökostrom und Gas. Dass wir auf nicht verbrauchtes Guthaben vier Prozent Zinsbelohnung gutschreiben, ist ein zusätzlicher Vorteil und unterscheidet uns von den hiesigen Anbietern. Daher auch der Name: 4hundred.

Wir binden niemanden mit Jahresverträgen an uns. Das ist nicht mehr zeitgemäß und ein Relikt der im Markt leider immer noch üblichen Subventionsgeschäftsmodelle.

Im vergangenen Jahr habt ihr auch mit Unterstützung des BayStartUP-Investorennetzwerks eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Wo lagen seitdem eure Schwerpunkte?

Dass wir weiter wachsen! Wir haben drei Finanzierungsrunden abgeschlossen. Seit dem Investment im Sommer 2018 ist unser Team auf 25 Mitarbeiter gewachsen, wir haben unseren Kundenstamm innerhalb eines halben Jahres bis Ende 2018 verfünffacht (aktuell sind es deutschlandweit mehr als 10.000 Kunden) und unsere Prozesse und Systeme auf zukünftiges Wachstum vorbereitet. Darauf sind wir mächtig stolz und es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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