26.07.2018

Finale im Münchener Businessplan Wettbewerb 2018

Implantate auf Knopfdruck: Hightech-Startup Kumovis gewinnt mit 3D-Druckern für die Medizintechnik


Sieger im Münchener Businessplan Wettbewerb 2018

Das Münchener Hightech-Startup Kumovis gewinnt das Finale im Münchener Businessplan Wettbewerb 2018 von BayStartUP. Das Team entwickelt 3D-Drucker, die speziell auf medizintechnische Anforderungen zugeschnitten sind und zum Beispiel Schädelplatten- oder Wirbelsäulenimplantate herstellen können. Auf dem zweiten Platz landet Volabo. Das Startup entwickelt einen Elektro-Antrieb, der statt mit einer herkömmlichen 400-Volt-Batteriespannung mit nur 48 Volt arbeitet, damit mehr Sicherheit bietet als bisherige Lösungen und zudem effizienter ist. Den dritten Platz belegt Plasmion. Die Firma verwandelt Laborgeräte in eine „elektronische Nase“. Labore können Proben nun erstmals ohne aufwendige Probenvorbereitung direkt messen. Die Geräte selbst können automatisiert als Geruchssensoren eingesetzt werden, zum Beispiel in der Sicherheitsindustrie. 

Die Prämierung ist in der finalen Phase 3 mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. 94 Startups aus ganz Südbayern hatten ihre Businesspläne eingereicht. Für den Münchener Businessplan Wettbewerb ist das das beste Ergebnis in den vergangenen 10 Jahren. Insgesamt gab es in der letzten Wettbewerbssaison 286 Einreichungen.

Die Sieger im Münchener Businessplan Wettbewerb 2018 im Überblick

Platz 1: Kumovis GmbH (Life Science, Medizintechnik)     

Kumovis entwickelt 3D-Drucker, die speziell auf medizintechnische Anforderungen zugeschnitten sind. Im Fokus steht die Verarbeitung des Hochleistungspolymers PEEK, das bereits in der Medizintechnik etabliert und für die Herstellung von Implantaten zugelassen ist. Durch die Integration eines einzigartigen temperierbaren Luftkreislaufs inklusive Filtereinheiten ermöglicht die Technologie eine Reinraumumgebung innerhalb des Bauraums, zum Beispiel zur Fertigung von Schädelplatten- oder Wirbelsäulenimplantaten. Somit wird eine Kontamination des Bauteils mit Fremdpartikeln, z. B. im Innern eines gedruckten Implantats, vermieden. Das ist wichtig für spezielle Fertigungsprozesse wie etwa in der Medizintechnik, wo gewöhnliche Partikel aus der Umgebung das Implantat verunreinigen würden. In Kombination mit einer Prozessüberwachung kann der Kumovis-3D-Drucker schließlich Produkte wie individuelle Implantate für Patienten reproduzierbar machen und in hoher Qualität herstellen.

Platz 2. Volabo GmbH (Elektrotechnik, Mobilität)             

Heutige Elektroautos benötigen Antriebssysteme mit Batteriespannungen von 400-800 Volt, um in Beschleunigung und Komfort den Verbrennern in nichts nachzustehen. Volabo stellt mit ISCAD diesen Stand der Technik in Frage und verspricht hohe Leistung (bis zu 300 kW) bei sicheren Batteriespannungen. Antriebe von Volabo sind energieeffizienter und sicherer als der Standard. Gegenüber vergleichbaren Antrieben können die Verbräuche in gängigen Fahrzyklen um durchschnittlich 25 % gesenkt werden. Die Batteriespannung beträgt nur 48 Volt und stellt somit grundsätzlich keine Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar — auch nicht bei schweren Unfällen. Die Pole der Batterie können prinzipbedingt bedenkenlos berührt werden. Der Stator, also der unbewegliche Teil des Motors, besteht bei Volabo aus Aluminiumstäben und nicht aus komplizierten Kupferwicklungen, wie sie bei Elektromotoren bisher zum Einsatz kommen. Durch individuelle Ansteuerung dieser Stäbe kann so – zum ersten Mal in der Elektromobilität – ein virtuelles Getriebe erzeugt werden, was in der Wirkung vergleichbar ist mit dem Schaltgetriebe bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Das ermöglicht die enorme Energieeinsparung gegenüber aktuell verbreiteten Elektroantrieben.

Platz 3: Plasmion GmbH (Technologie, Industrieautomation, Produktion)

Plasmion bietet mit seiner patentierten SICRIT-Technologie eine Erweiterung für Laborgeräte. Sie verwandelt Geräte in eine „elektronische Nase“ und eröffnet völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Labore können nun zum ersten Mal Proben direkt messen – und zwar durch „Davorhalten“ – und andere Analysegeräte damit frei kombinieren. Die Technologie bietet damit ein Höchstmaß an analytischer Freiheit bei gleichzeitig gesteigerter Empfindlichkeit. Aber vor allem ermöglicht diese Technik erstmals den vollständig automatisierten Einsatz solcher Laborgeräte als Geruchssensoren in der industriellen Prozesskontrolle, der Sicherheitsindustrie (z. B. bei Sprengstoffen) oder der medizinischen Diagnostik.

Sieger im Münchener Businessplan Wettbewerb 2018

Die weiteren Nominierten waren:

  • ChargeX GmbH – neuartige Ladeinfrastruktur für Elektroautos mit intelligentem Lastmanagement für den Einsatz in Gewerbeimmobilien und Mehrfamilienhäusern
  • Cryodynamics – innovative Kühltechnik für den Einsatz von Quantentechnologien für die Computergeneration der Zukunft
  • Kewazo GmbH – intelligentes Robotersystem für die Baugerüstmontage
  • Soilspy – Sensorsystem für die Landwirtschaft zur Messung von Umweltparametern und der Konzentration spezifischer Nährstoffe direkt auf Landwirtschaftsflächen
  • Tubulis Technologies – Technologie für die Herstellung stabiler Antikörper-Wirkstoffkonjugate für Krebstherapien der neuesten Generation
  • Weview GmbH – internetbasierte Videoplattform für Nutzerbewertungen von Produkten, die von Herstellern und Onlineshops auf ihren Webseiten eingebunden werden können.

Startup-Schmiede Münchener Businessplan Wettbewerb

Der Münchener Businessplan Wettbewerb ist ein Angebot von BayStartUP, dem Netzwerk für Gründer, Unternehmen und Investoren. Er wird jedes Jahr in drei „Phasen“ an die besten Startups aus München und Südbayern vergeben. Jede Phase hat unterschiedliche, steigende Anforderungen an die Teams. Alle einreichenden Teams – nicht nur die Sieger – erhalten umfangreiches schriftliches Feedback zu ihren Businessplänen von einer ehrenamtlichen Expertenjury. Sie setzt sich zusammen aus Experten aus Unternehmen sowie der Investoren- und Gründerszene. Die Startups mit den besten Einreichungen werden zudem zu einem Pitch eingeladen, in dem sie ihr Geschäftsmodell persönlich vorstellen müssen. Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Sieger in der finalen Phase 3 waren das Wachstumspotenzial und der Innovationsgrad ihrer Ideen sowie die Planung von Umsätzen und Kapitalbedarf. Neben dem Geschäftsmodell wurden u.A. auch die Analyse von Markt und Wettbewerb sowie Teamaufstellung, Realisierungsfahrplan und Vertriebsmodell bewertet.

 


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